Patch­work­de­cke ist nicht gleich Patch­work­de­cke

Dies gilt ins­be­son­de­re für die aus mei­ner Erinnerungs­schneiderei….
Dazu soll­te man erst­mal wis­sen, was denn über­haupt eine Patch­work­de­cke ist. Also: Patch­work stammt aus dem Eng­li­schen und bedeu­tet Flick­werk. Es han­delt sich dabei um eine beson­de­re Form der Tex­til­ver­ar­bei­tung, bei der Res­te ver­schie­de­ner Mate­ria­li­en ver­wen­det wer­den, um neue Tex­ti­li­en anzu­fer­ti­gen. Das Gan­ze hat sei­nen Ursprung bereits in der Zeit­rech­nung vor Chris­ti Geburt. Spä­ter dann hat­ten eng­li­sche Frau­en und ame­ri­ka­ni­sche Sied­le­rin­nen einen einen gro­ßen Anteil an der Wei­ter­ent­wick­lung des Patch­works bis hin zum Quilt. Heu­te wer­den Patchwork­decken eher nach gestal­te­ri­schen Gesichts­punk­ten und weni­ger nach Erwä­gun­gen des Nut­zes ange­fer­tigt.

Aus­ge­hend von die­ser lan­gen Tra­di­ti­on der Patchwork­decken, möch­te auch ich durch die Anfer­ti­gung die­ser Decken in mei­ner Erinnerungs­schneiderei dazu bei­tra­gen etwas Dau­er­haf­tes und für die Men­schen “Sinn­stif­ten­des“ zu schaf­fen. Dabei lege ich gro­ßen Wert dar­auf, dass die in mei­ner Erinnerungs­schneiderei her­ge­stell­ten Patchwork­decken etwas ganz Beson­de­res und Ein­zig­ar­ti­ges dar­stel­len. Denn die Decken wer­den aus Erin­ne­rungs­stü­cken — und zwar aus dei­nen eige­nen ganz per­sön­li­chen Tei­len — her­ge­stellt. Die­se kön­nen neben eige­nen Lieb­lings­stü­cken natür­lich auch aus der Klei­dung von gelieb­ten Men­schen gear­bei­tet wer­den. Sei­en wir mal ehr­lich: Wenn wir ein­mal einen Blick in unse­ren Schrank wer­fen, fin­den wir vie­le Din­ge und Klei­dungs­stü­cke, von denen wir uns nur schwer tren­nen wol­len und kön­nen. Schö­ne Erin­ne­run­gen kom­men uns beim Anblick die­ser Schätz­chen in den Sinn und hal­ten uns davon ab, die Sachen zu ent­sor­gen. Eine dann ange­fer­tig­te Patch­work­de­cke, geschnei­dert aus die­sen Sachen, weckt die posi­ti­ven Emo­tio­nen in uns und ver­bin­det die Ver­gan­gen­heit mit der Gegen­wart. Wir kön­nen sie dann im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes fest­hal­ten, berüh­ren, spü­ren, uns dar­in ein­ku­scheln und gebor­gen füh­len. Ist das nicht eine tol­le Vor­stel­lung?

Mei­ne Patchwork­decken sind lie­be­voll von Hand gemacht, haben Her­kunft, Geschich­te und Herz, sie sind vol­ler bio­gra­phi­scher Ener­gie. Ich nen­ne mei­ne Patchwork­decken daher auch LEBENS­DE­CKEN, da sie aus Tei­len und Sta­tio­nen eines oder meh­re­rer Leben bestehen. Es gibt vie­le Anläs­se für die Her­stel­lung einer Patch­work­de­cke bzw. Lebens­de­cke: Ein Geschenk für eine beson­de­re Lie­be, ein Jubi­lä­um, zur Tau­fe, zum Geburts­tag, zur Erin­ne­rung an eine tol­le Lebens­pha­se oder einen unver­gess­li­chen Urlaub, für ein Kind, das eine Tren­nung ver­ar­bei­ten muss, oder im Kran­ken­haus liegt und etwas Ver­trau­tes braucht oder auch — im schlimms­ten Fall – im Trau­er­fall.

Schön ist die Geschich­te von Antons Patch­work­de­cke / Lebens­de­cke, die will ich euch nicht vor­ent­hal­ten:
Anton hat­te noch ca. 6 Wochen Zeit, bevor er das Licht der Welt erblick­te. Anton war also noch unter­wegs, als sei­ne Groß­tan­te von mir und mei­ner Erinnerungs­schneiderei erfuhr. Sie hat­te die spon­ta­ne Idee dem Baby zur Geburt – oder wenn ich es zeit­lich nicht schaf­fen wür­de – zur Tau­fe, eine Patch­work­de­cke / Lebens­de­cke von sei­ner zukünf­ti­gen Fami­lie von mir schnei­dern zu las­sen. So mach­te sich die­se besag­te Tan­te auf den Weg und klap­per­te sämt­li­che Fami­li­en­mit­glie­der ab. Jedes soll­te etwas zur Patch­work­de­cke bei­steu­ern, am bes­ten Lieb­lings- oder Erin­ne­rungs­stü­cke aus dem jewei­li­gen Klei­der­schrank. Sie fuhr von Pon­ti­us nach Pila­tus, tele­fo­nier­te, orga­ni­sier­te und blieb hart­nä­ckig, bis auch das letz­te Mit­glied der Fami­lie etwas raus­rück­te. Außer Atem schlepp­te sie alles in einem prall gefüll­ten gro­ßen gel­ben Plas­tik­sack, zu mir in die Erinnerungs­schneiderei. Ich staun­te nicht schlecht, als wir den Inhalt aus­schüt­te­ten. Die unter­schied­lichs­ten Tex­ti­li­en aus den ver­schie­dens­ten Mate­ria­li­en brei­te­ten sich vor mir aus. Ich ent­deck­te Küchen­über­gar­di­nen, Blu­sen, eine Leder­ho­se, einen Kis­sen­be­zug, T-Shirts, Her­ren­hem­den, Sport-Tri­kots, ein Platz­set mit auf­ge­stick­tem Fisch, Jeans­ho­sen, einen Frot­tee­hand­schuh…
Erst muss­te ich schlu­cken, denn dies stell­te eine wah­re Her­aus­for­de­rung da, wie soll­te ich dar­aus eine schö­ne Patch­work­de­cke „zau­bern“?
Trotz anfäng­li­cher Schwie­rig­kei­ten, was die Gestal­tung anging, ent­stand eine wun­der­schö­ne Patch­work­de­cke in der Grö­ße 140 x 200cm, die allen Ange­hö­ri­gen gefiel und die Anton nun ein Leben lang beglei­ten wird.
Was kann es Schö­ne­res geben, als sich so von der gan­zen Fami­lie gewärmt und beschützt zu füh­len?

Denkt dar­an, mein Mot­to lau­tet:

Ein Teil von dir bleibt bei mir.

So soll es sein!